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Manche meinen, dass in der Trance die Grenzen zwischen Innenwelt und Außenwelt verschwimmen. Andere halten dagegen: Sie verschwimmen nicht, sie werden nur verschoben. Mir scheint eher, dass in der Trance die Grenzen zwischen Innenwelt und Außenwelt neu gezogen werden: Äußeres wird ins Innere verlagert und umgekehrt. Ist die Welt der Trance eine verrückte? Oder werden in ihr die Dinge nur zurecht gerückt?
In der Trance werden alltägliche Schemata unserer Wahrnehmung, unseres Denkens und Fühlens außer Kraft gesetzt. Je tiefer die Trance, desto weitgehender und radikaler ist die Deaktivierung unserer vertrauten Sichtweisen, Wahrnehmungsmuster, emotionalen Reaktionen und geistigen Automatismen. An die Stelle dieser gewohnheitsmäßigen Reaktionen treten sonst unbewusste Schemata, die sich vielfach bereits in der Frühzeit der Menschheit entwickelt haben und die in unserem Erbgut verankert sind.

Manche meinen, Trancen seien eine Flucht aus dem Alltag vor den Herausforderungen der Realität. Andere wieder halten das Gegenteil für zutreffend. Das normale Bewusstsein sei vielmehr eine Flucht aus der "wahren Wirklichkeit", die sich nur in den Zuständen der Trance offenbare.
Im Normalbewusstsein herrschen die geistigen Mechanismen vor, die zur Meisterung der Probleme in der Außenwelt erforderlich sind bzw. die sich in der Auseinandersetzung mit der Umwelt bewährt haben. Doch diese Schemata sind selektiv. Sie blenden sehr viele Aspekte aus, die die keinen unmittelbaren Nutzen für die Bewältigung des Alltags besitzen.
In der Trance dominieren die geistigen Prozesse, die Reisen in unsere Innenwelt ermöglichen. Auch diese Prozesse sind selektiv. die Schemata des Alltagsbewusstsein werden weitgehend deaktiviert. Die Energie des Bewusstseins wird nach innen gelenkt, die Aufmerksamkeit wird der Umwelt entzogen.
Trance und Normalbewusstsein bilden also eine dialektische, d. h. widersprüchliche Einheit. Der Widerspruch besteht darin, dass in den beiden Zustände einander ausschließende Schemata aktiviert werden. Doch zugleich sind diese Zustände unlösbar miteinander verbunden, weil sie sich gleichermaßen auf die Ganzheit des menschlichen Daseins beziehen. Dialektik bedeutet, dass dieses Spannungsfeld zwischen Trance und Normalbewusstsein zur Veränderung drängt. Der Widerspruch in der Einheit ist der Motor der Transformation.
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