Intelligenz ist unsere Fähigkeit, Probleme zu erkennen oder zu erfinden, sie zu lösen oder einzusehen, dass sie unlösbar sind. Wie alle Fähigkeiten ist sie ein angeborenes Talent, das gefördert werden kann und muss.

Intelligenz ist nicht nur eine Sache der Gene, sondern auch der Übung. Das "Instrumental Enrichment Training" ist ein Beispiel für effektive Möglichkeiten des Intelligenztrainings. Ich halte es aber nicht prinzipiell für leistungsfähiger als andere Ansätze. Beim Stand der empirischen Forschung wäre ein solches Urteil verfrüht.

Für Feuerstein ist die Intelligenz keine statische Struktur, sondern ein dynamisches System mit der Möglichkeit zur lebenslangen Weiterentwicklung. In den folgenden Kapiteln habe ich die theoretischen Grundlagen und die Methoden des Feuerstein-Programms skizziert.

Das Konzept Feuersteins ist untrennbar mit der Intelligenzforschung und mit Intelligenztests verbunden. Es ist allerdings nicht mit der klassischen Intelligenzdiagnostik identisch. Mit dieser Methode ist es jedoch auch möglich, die Leistung in Intelligenztests zu steigern.

Kindliches Lernen
Die Intelligenzentwicklung beginnt sehr früh. Doch Versäumtes kann - zu einem erstaunlich großen Teil - später nachgeholt werden.

Das Konzept Feuersteins verfolgt in erster Linie das Ziel, die kognitive Struktur zu verbessern. Die kognitive Struktur bestimmt, wie wir mit Informationen umgehen. Je mehr geistige "Werkzeuge" wir besitzen und je besser diese aufeinander abgestimmt sind, desto effektiver können wir nach Informationen suchen und sie auswerten. Ursache mangelhafter kognitiver Strukturen sind nicht selten fehlende vermittelte Lernerfahrungen. Sie fehlen, weil die Vermittler von Wissen und Fähigkeiten (Eltern, Lehrer, Gleichaltrige u. a.) zu wenig Zeit hatten oder nicht vorhanden, uninteressiert bzw. dieser Aufgabe nicht gewachsen waren. Feuerstein sieht einen engen Zusammenhang zwischen psychischem Traumata, schlechten sozialen Bedingungen und Defiziten der kognitiven Struktur. Dies bedeutet natürlich nicht, dass Kinder mit intellektuellen Mängeln stets aus unzulänglichen oder gar traumatisierenden Verhältnissen stammen.

Das Feuerstein-Training (Instrumental Enrichment Program) konzentriert sich auf die Vermittlung von Grundfertigkeiten des Denkens. Durch das Training dieser Grundfertigkeiten wird die Gesamtanpassung des Menschen an steigende Umweltanforderungen verbessert. Die verbesserte Gesamtanpassung führt zu einer positiveren Entwicklung der Persönlichkeit und der Intelligenz. 

Hintergrund: Was messen eigentlich Intelligenztests?

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Intelligenztests messen das Verhalten von Menschen, z. B. wieviele Testaufgaben sie in begrenzter Zeit richtig lösen können.

Man kann nun die Testwerte mit dem Verhalten von Menschen in anderen Bereichen korrelieren, z. B. in der Schule, an der Universität, im Beruf usw. Wenn sich nun herausstellt, dass die Testergebnisse mit einer Reihe von Verhaltensweisen korrelieren, mit anderen aber nicht, dann ist doch wohl die Frage berechtigt, was wohl die Gemeinsamkeit der Verhaltensweisen sein mag, mit denen die Intelligenztestwerte korrelieren.

Man könnte dann z. B. auf die Idee kommen, der Test messe die Geschwindigkeit, mit der Menschen Probleme lösen können. Dann sucht man weitere Verhaltensweisen, bei der Problemlösungsgeschwindigkeit eine Rolle spielt und sagt voraus, dass die Testwerte auch hier wieder mit dem Verhalten in diesem Bereich korrelieren. Falls dies der Fall ist, steigt natürlich die Zuversicht, dass Problemlösungsgeschwindigkeit in der Tat eine Dimension dessen sei, was der Intelligenztest misst.

Dann kann man nach weiteren Gemeinsamkeiten suchen oder den Begriff des Problemlösens differenzieren, in Teilaspekte aufbrechen und nach dem beschriebenen Verfahren weiter arbeiten.

Es kommt also weniger darauf an, was der Test misst, als was er vorhersagen kann - denn dies ist seine eigentliche Bestimmung. Wenn er die Zuordnung von Menschen zu Aufgaben verbessert, was man statistisch überprüfen kann, dann hat er seinen Zweck erfüllt. Dasselbe gilt auch für andere psychologische Tests.

Intelligenz ist also nichts anderes als ein Name für die Gemeinsamkeiten von Verhaltensweisen, die man intuitiv mit den sog. "geistigen Leistungen" in Verbindung bringt. Intelligenz ist also keineswegs das, was der Intelligenztest misst, sondern ein Dimension zur Beschreibung und Vorhersage des Verhaltens von Menschen.

Wenn ich beispielsweise sage, der Franz sei intelligent, dann verbinde ich damit die Erwarung, dass er in der Schule, im Beruf in der Ausbildung gut abschneidet und wenn er das in einzelnen Bereichen nicht tut, ist dies ein höchst erklärungsbedürftiger Umstand, der nicht unbedingt zur Revision des Urteils über Franzens Intelligenz führen muss.

Das Urteil über Franzens Intelligenz beruht selbstverständlich auch auf Beobachtungen seines Verhaltens in einschlägigen Situationen. Dies ist der vorwissenschaftliche Intelligenzbegriff. Wenn ich diese Beobachtungen standardisiere und systematisiere durch eine Testsituation, dann gelange ich, so der Test gut ist, zu präziseren Vorhersagen. Intelligenz ist also nicht, was der Intelligenztest misst, sondern was im realen Leben außerhalb der Testsituation gemessen wurde. Die Bedeutung der Testwerte ergeben sich aus den Korrelationen mit Verhaltensweisen im realen Leben. Wer mehr darin sieht, verfällt der Intelligenz-Mystik.

Inhalt


Hilfe für Eltern

Beratung für Eltern, deren Kinder Probleme in der Schule und beim Lernen haben, bietet die Psychologische Online-Beratung (POP).

In Deutschland arbeitet das Memory-Institut bundesweit überwiegend nach dem Konzept von Feuerstein.

Praxis für integrative Lerntherapie und Coaching - Angebote für Kinder und Erwachsene - Dipl.-Psych. Martina Petri, Wuppertal


Infos im Netz

The International Center for the Enhancement of Learning Potential (ICELP)

Prof. Reuven Feuerstein ist Vorsitzender des Internationalen Zentrums zur Steigerung des Lernpotenzials mit Sitz in Jerusalem. Diese Organisation widmet sich der Forschung, Ausbildung und Intelligenzförderung. Sie wurde der israelischen Regierung als gemeinnützig anerkannt.


Die ursprüngliche Fassung dieses Textes schrieb ich für einen Träger von Krankenhäusern sowie Einrichtungen für Suchtkranke und Behinderte.