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Die schweren Persönlichkeitsstörungen waren früher eine Domäne der Psychoanalytiker. Heute existiert eine Vielzahl nicht-analytischer Ansätze, die sich als Ergänzung zur Psychoanalyse, aber auch als eigenständige Hilfe bewährt haben.
Schwer persönlichkeitsgestörte Patienten vereinen oft die unterschiedlichsten Krankheitsbilder in einer Person, dies zeigt sich am dramatischten bei der sog. Multiple Personality Disorder. Hier mag sich dann der gelehrte, ein wenig neurotische Dr. Jekyll hervorragend für eine Couch-Behandlung eignen, wohingegen der den gleichen Körper bewohnende Soziopath Mr. Hyde vermutlich, wenn überhaupt, nur durch eine medikamentöse Behandlung in Verbindung mit behavioralen Korrekturen gebessert werden könnte. [104]
Es zeigt sich also an diesem extremen Beispiel, dass auch ein auf der theoretischen Ebene psychoanalytisch fundiertes Behandlungskonzept Methoden einbeziehen muss, die mitunter sehr weit von der orthodoxen Psychoanalyse abweichen.
Wenn ich im folgenden einige dieser potentiell geeigneten Verfahren nur sehr kursorisch abhandele, so geschieht dies nicht, weil ich sie für weniger wertvoll halte als psychoanalytisch orientierte Methoden. Neben meiner geringeren Vertrautheit mit diesen Verfahren spielt hier auch die Tatsache eine Rolle, dass die vorangestellte Skizze von Therapieproblemen aus psychoanalytischer Sicht im Grunde sehr viele Themen angesprochen hat, die nun aus der Perspektive anderer Verfahren zwar variiert werden können, wobei ich allerdings nicht glaube, dass sich im Rahmen eines Übersichtsreferates wesentliche neue Gesichtspunkte ergeben könnten.
Vorab sei erwähnt, dass der sozialarbeiterische, sozialpädagogische Aspekt der Hilfe für schwer persönlichkeitsgestörte Patienten auf keinen Fall unterschätzt werden darf. "Borderline-Persönlichkeiten haben sehr oft große soziale Probleme. Häufig haben sie keine feste Anstellung. Wegen ihrer Bindungsängste sind Stellenwechsel und temporäre Arbeit häufig. Nicht selten sind die Patienten erheblich verschuldet, unter anderem wegen der gelegentlich anzutreffenden Neigung zum Renommieren und der stark beeinträchtigten Fähigkeit, das Leben selbständig zu strukturieren. Deshalb steht bei vielen Patienten die berufliche Rehabilitation ganz im Vordergrund, zum Beispiel im Sinne einer Schuldensanierung und Unterstützung bei der Wohnungssuche oder der Vermittlung einer therapeutischen Wohngemeinschaft. Für den Helfer, in der Regel für den beigezogenen Sozialarbeiter, ist dies aber keine leichte Aufgabe, da der Patient derartige helfende Interventionen oft als kränkend empfindet und ablehnt. Trotzdem erscheint gerade bei diesen Patienten eine Zusammenarbeit mit einem Sozialarbeiter als sehr sinnvoll und nötig. Ja, ich möchte sogar soweit gehen und sagen, dass es die Aufgabe des Therapeuten ist, den Patienten für solche Maßnahmen zu motivieren und zu gewinnen." [105]
Auch Stone[106] schildert ein eindrucksvolles Beispiel, wie erst durch derartige Maßnahmen, die sich weit über ein Jahr hinzogen, die Voraussetzungen für eine einsichtsorientierte Therapie geschaffen werden konnten. Generell hat sich ja jede Psychotherapie an den realen Lebensproblemen der Patienten zu orientieren und nicht an theoretischen Problemen oder Kontroversen und erst recht nicht an standespolitisch orientierten Bewertungen von Helferrollen.
Insofern gehören die sozialarbeiterischen und sozialpädagogischen Ziele und die entsprechenden Mittel zur Zielerreichung mit gleicher Wertigkeit in den individuellen Therapieplan wie die psychotherapeutischen Interventionen.
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