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Sehr viele Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen brechen die Behandlung vorzeitig ab. Sie leiden unter gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen, und naturgemäß sind auch die Beziehungen zum Therapeuten davon betroffen. Außerdem sind die Therapeuten nicht selten auch überfordert und versagen.
Wenn der Therapeut die "magische Blase" platzen oder sich gar nicht erst entwickeln lässt, muss mit Therapie-Abrüchen gerechnet werden. Therapie-Abbrüche sind in der klinischen Therapie pyschischer Störungen und Süchte ohnehin recht häufig, wobei Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen die höchste Abbruchneigung aufweisen. [67] Es muss damit gerechnet werden, dass nur ein Bruchteil von Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen, die in eine stationäre Therapie aufgenommen werden, auch so lange in der Klinik verweilen, wie dies von den behandelnden Psychotherapeuten für erforderlich erachtet wird. Nach Erfahrungen von Gunderson und Mitarbeitern [68] brechen viele Patienten die Therapie frühzeitig ab, weil die Patienten zu früh mit ihren Problemen konfrontiert werden. Ein zweiter Hauptgrund besteht darin, dass die Familien nicht angemessen einbezogen werden. Ein dritter Hauptgrund ist die Therapie-Resistenz bestimmter Patientengruppen.
Daraus folgt unter anderem, dass der Therapeut zu Beginn der Behandlung stark unterstützend arbeiten, Fusionstendenzen aber dennoch soweit wie möglich unter Kontrolle halten sollte. Hier wird ihm im Spannungsfeld zwischen Distanz und Nähe eine Gratwanderung abverlangt, die für Therapeuten mit wenig Berufserfahrung in der Regel eine Überforderung darstellen dürfte.
Im Grunde aber sind Therapie-Abbrüche nicht unbedingt verhängnisvoll. Es zeigt sich sogar, dass sich gerade Borderline-Patienten im Laufe der Zeit an die Therapie gewöhnen. Patienten, die bereits einige Therapien abgebrochen haben, bleiben tendenziell länger in weiteren Therapien als Therapie-Neulinge. [69] Dementsprechend ist die Therapie-Vorerfahrung neben der Ich-Stärke ein wesentlicher Prädiktor für die Geschwindigkeit, mit der ein Therapeut von der stärker unterstützenden Therapie zur Konfrontation mit den primitiven Abwehrmechanismen übergehen darf. Die höchstgradige narzisstische Kränkbarkeit von Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen erfordert jedoch in jedem Falle viel Fingerspitzengefühl.
Es ist denkbar, dass die zum Teil sehr hohe Quote früher Therapieabbrüche in der Drogentherapie teilweise auf das Konto einer zu frühen und harten Problem-Konfrontation bei Patienten mit Borderline-Struktur geht.
Randbemerkungen zur psychotherapeutischen Methode
Beratung für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und deren Angehörige via eMail oder Telefon
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